Zitate

„Meine Wirtin ist very poor“

Marx klagt Engels sein Leid über den Ärger mit seiner Wirtin und über die Ergebnisse einer Sitzung.


„London 6. Januar 1851

Lieber Engels!

Du wirst  mich sehr verpflichten, s’il est possible, das Geld umgehend zu  schicken. Meine  Wirtin ist  very poor; sie ist jetzt die 2te Woche nicht bezahlt und tritt mit schrecklicher Energie.
Gestern in  der Kreissitzung [Londoner Kreis des „Bundes der Kommunisten] erschien Wolff [Ferdinand Wolff, Journalist, Mitglied des „Bundes der Kommunisten“ und ehemaliger Redakteur der „Neuen Rheinischen Zeitung“]; nicht aber Liebknecht [Deutscher Demokrat, Vater von Karl Liebknecht] und Schramm [Conrad Schramm, Journalist]. Die neuen Statuten angenommen, habe die Scheiße aufs unbestimmte vertagt.

Dein K. M.

Unsre „Revue“ [Die Monatszeitschrift „Neue Rheinische Zeitung. Politische Revue“ war als Nachfolgeorgan der 1849 verbotenen „NRZ“ gedacht, es erschienen 1850 sechs Hefte in Hamburg] wird wahrscheinlich in der Schweiz neu erscheinen.
Arbeite also  something,  damit ich das Manuskript im Notfall ready  habe.“


Brief Marx an Engels vom 6. Januar 1851, in: MEW 27 (Briefe Januar 1842 bis Dezember 1851), S.156.

Gedichte

An Jenny. III)

Sonette.

Und die Seele konnt`es nimmer fassen,

Weinte ungeheure Schmerzensgluth,

Rann dahin in wildbewegter Fluth,

Ewig, ewig hat sie dich verlassen!

Ha! verlacht hatt`ich der Welten Hassen,

Und verhöhnt der Elemente Wuth,

Stolz gehüllt in Busens Riesengluth,

Konnte selbst in ihrem Zürnen prassen.

Doch in leeres Nichts die Geister hallen,

Und zerschmettert sinkt des Busens Kraft,

Und die Pulse zitternd, bebend wallen,

Und vernichtet, aus der Bahn gerissen,

Von den Wellen brausend hingerafft,

Stürz`ich, muß ich dich, mein Leben, missen.

 

in: Marx-Engels-Gesamtausgabe, Bd. 1, S. 604.

 

 

Gedichte

An Jenny. II)

Sonette.

Und es tönte, wie aus Schreckenstiefen

Unerfaßbar aus der Seele Land:

„Ach! zerrissen ist der Liebe Band,

und die Harmonien, die kaum entschliefen!“

„Welch`verweg`ne Trugdämonen riefen

Dir in zauberischem Prachtgewand

Auf der Liebe süßgeschwellten Brand,

Deren Aethernebel Wollust triefen?

Sie, die prangend bis zum Himmel glühet,

Himmel in des Herzens Tiefe wiegt,

Die verklärt ein Lichtgebilde sprühet,

Die so groß, wie Schönheits Allgedanken,

Nimmer hattest Du ihr Herz besiegt,

Und dein Bild mußt`längst im Nichts entschwanken.“

 

in: Marx-Engels-Gesamtausgabe, Bd. 1, S. 604.

Gedichte

An Jenny. I)

Sonette.

 

Jenny! Ist das hohe Gut mein eigen,

Süsses Seelenwesen, liebst du mich?

Ha! Dein Geisterbusen hebet sich,

Und die zarten Purpurlippen schweigen!

Sollte sich der Himmel niederneigen,

Der schon längst aus meiner Seele wich,

Weggescheucht von Geistern fürchterlich;

Und in dir sein schönstes Kleinod reichen?

Fieberisch verwirrte Traumgestalten,

In der Nächte Dunkel eingehüllt,

Wußten sich an meine Sehnsucht festzuhalten,

Und sie tanzten um mich, Schattenbilder,

Bis Verzweif´lung bebend mich erfüllt,

Schwollen sie zu Riesen, groß und wilder.

 

in: Marx-Engels-Gesamtausgabe, Bd. 1, S. 603.

 

Zitate

„Ich bin wahrhaft überrascht, daß Du noch kein Geld von mir erhalten hast“ – oder: Die Schwierigkeiten des Geldtransfers

Marx schreibt aus Köln an den im September 1848 vor drohender Verhaftung in die Schweiz geflohenen Engels über seine/ihre Geldsorgen. Es ist die Zeit der „Neuen Rheinischen Zeitung“ und Engels versorgt die Zeitung, um dessen Erhalt Marx finanziell und politisch kämpfen muss, auch noch aus der Schweiz mit Beiträgen.


Köln, November 1848

„Ich bin wahrhaft überrascht, daß Du noch kein Geld von mir erhalten hast.   Ich  (nicht die Expedition) habe Dir seit undenklicher Zeit  61 Taler,  11 in  Papier, 50 in Wechsel, nach Genf geschickt, eingeschlagen  in die  angegebne Adresse. Also erkundige Dich und schreib sogleich. Ich habe einen Postzettel und kann das Geld reklamieren.
Ich hatte ferner an Gigot [Philippe Gigot, Sekretär des 1846 gegründeten „Kommunistischen Korrespondenz-Komitee“] 20  und später an Dronke [Schriftsteller Ernst Dronke] 50 Taler für Euch geschickt,  immer aus  meiner Kasse. Summa – 130 Taler ungefähr. Ich werde Dir morgen wieder einiges schicken. Aber erkundige Dich nach dem  Geld. Es  war in  dem Wechsel  zugleich eine Empfehlung Deiner an einen Lausanner Geldphilister. Ich bin mit dem Geld beschränkt.  1850 Taler  hatte ich von der Reise mitgebracht;  1850 bekam  ich  von  den  Polen. 100 brauchte ich  noch auf der Reise. 1000 Taler habe ich der Zeitung [Die „Neue Rheinische Zeitung“] (mit  dem Dir  und andern Flüchtlingen) vorgeschossen. 500 in dieser Woche noch zu zahlen für die Maschine. Bleibt 350. Und da bei habe ich noch keinen Cent von der Zeitung erhalten.
Was Eure  Redakteurschaft angeht,  so habe  ich 1. in der ersten Nummer gleich  angezeigt, daß das Komitee dasselbe bleibt, 2. den blödsinnigen reaktionären  Aktionären erklärt, daß es ihnen frei stünde, Euch als nicht mehr zum Redaktionspersonal gehörig zu betrachten, daß  es mir aber freistehe, so hohe  Honorare  auszuzahlen,  als  ich  will,  und daß sie daher pekuniär nichts gewinnen werden. Die große  Summe für die Zeitung hätte ich rationellerweise nicht vorgeschossen, da ich 3-4 Preßprozesse auf dem Halse haben jeden Tag  eingesperrt werden  und dann  nach Geld wie der Hirschnach frischem Wasser schreien kann. Aber es galt, unter allen Umständen dies Fort zu behaupten und die politische Stellung nicht aufzugeben.
Das beste – nachdem Du die Geldangelegenheiten in Lausanne geordnet – ist, nach Bern zu gehn und Deinen angegebnen Plan auszuführen. Du  kannst außerdem schreiben, wofür Du willst. Deine Briefe kommen immer zeitig genug. Daß ich  einen Augenblick  Dich im Stich hätte lassen können, ist reine Phantasie.  Du verbleibst  stets mein Intimus, wie ich hoffentlich der Deine.

Marx

Dein Alter  ist ein  Schweinhund, dem wir einen hundsgroben Briefschreiben werden.“


Brief Marx an Engels, in: MEW 27 (Briefe Februar 1842 bis Dezember 1815), S. 129-130.

Zitate

Wie man dem Alten das Geld auspresst

Marx konnte bekanntlich schlecht mit Geld umgehen. Aber im Zweifelsfalle hatte er durchaus Ideen, wie er an welches kommen könnte.


„Ich  habe   einen  sichern  Plan  entworfen,  Deinem  Alten  Geld auszupressen, da  wir jetzt  keins haben. Schreib einen Geldbrief (möglichst kraß  an mich),  worin Du  Deine bisherigen  Fata  erzählst, aber  so, daß  ich ihn  Deiner Mutter mitteilen kann. Der Alte fängt an, Furcht zu bekommen.“


Brief Marx an Engels vom 29. November 1848, in: MEW 27 (Briefe Februar 1842 bis Dezember 1851), S.131.

Zitate

Föxchens Tod

Marx berichtet seinem Freund Engels vom Tode seines vierten Kindes.


„London 19. Nov. 1850

Lieber Engels!

Ich schreibe  Dir nur  zwei Zeilen.  Heute morgen um zehn Uhr ist unser kleiner Pulververschwörer Föxchen [Marx´ Sohn Heinrich Edward Guy, 1849-1850] gestorben. Plötzlich, durch  einen der  Krämpfe, die  er oft  gehabt  hatte. Einige Minuten vorher lachte und schäkerte er noch. Die Sache kam ganz unverhofft.  Du kannst  Dir denken,  wie es  hier  aussieht. Durch Deine  Abwesenheit sind  wir grade  in diesem  Moment  sehr vereinsamt. In meinem  nächsten Briefe  werde ich  Dir  einiges  über  Harney [George Julian Harney, Mitglied im „Bund der Kommunisten“ und der Chartisten-Bewegung, später der IAA] schreiben, woraus  Du sehn wirst, in welcher fatalen Lage er sich befindet.

Dein K. Marx

Wenn Du  grade in  der Stimmung  bist, schreib  einige Zeilen  an meine Frau. Sie ist ganz außer sich.“


Brief Marx an Engels vom 19. November 1850, in: MEW 27 (Briefe Februar 1842 bis Dezember 1851),  S.143.