Gedichte

An Jenny. III)

Sonette.

Und die Seele konnt`es nimmer fassen,

Weinte ungeheure Schmerzensgluth,

Rann dahin in wildbewegter Fluth,

Ewig, ewig hat sie dich verlassen!

Ha! verlacht hatt`ich der Welten Hassen,

Und verhöhnt der Elemente Wuth,

Stolz gehüllt in Busens Riesengluth,

Konnte selbst in ihrem Zürnen prassen.

Doch in leeres Nichts die Geister hallen,

Und zerschmettert sinkt des Busens Kraft,

Und die Pulse zitternd, bebend wallen,

Und vernichtet, aus der Bahn gerissen,

Von den Wellen brausend hingerafft,

Stürz`ich, muß ich dich, mein Leben, missen.

 

in: Marx-Engels-Gesamtausgabe, Bd. 1, S. 604.

 

 

Gedichte

An Jenny. II)

Sonette.

Und es tönte, wie aus Schreckenstiefen

Unerfaßbar aus der Seele Land:

„Ach! zerrissen ist der Liebe Band,

und die Harmonien, die kaum entschliefen!“

„Welch`verweg`ne Trugdämonen riefen

Dir in zauberischem Prachtgewand

Auf der Liebe süßgeschwellten Brand,

Deren Aethernebel Wollust triefen?

Sie, die prangend bis zum Himmel glühet,

Himmel in des Herzens Tiefe wiegt,

Die verklärt ein Lichtgebilde sprühet,

Die so groß, wie Schönheits Allgedanken,

Nimmer hattest Du ihr Herz besiegt,

Und dein Bild mußt`längst im Nichts entschwanken.“

 

in: Marx-Engels-Gesamtausgabe, Bd. 1, S. 604.

Gedichte

An Jenny. I)

Sonette.

 

Jenny! Ist das hohe Gut mein eigen,

Süsses Seelenwesen, liebst du mich?

Ha! Dein Geisterbusen hebet sich,

Und die zarten Purpurlippen schweigen!

Sollte sich der Himmel niederneigen,

Der schon längst aus meiner Seele wich,

Weggescheucht von Geistern fürchterlich;

Und in dir sein schönstes Kleinod reichen?

Fieberisch verwirrte Traumgestalten,

In der Nächte Dunkel eingehüllt,

Wußten sich an meine Sehnsucht festzuhalten,

Und sie tanzten um mich, Schattenbilder,

Bis Verzweif´lung bebend mich erfüllt,

Schwollen sie zu Riesen, groß und wilder.

 

in: Marx-Engels-Gesamtausgabe, Bd. 1, S. 603.

 

Gedichte

Harmonie.

An Jenny.

 

Kennst du das süße Zauberbild,

Wo Seelen in einander fliessen,

In einem Hauche sich ergiessen,

Melodisch voll und freundlich mild?

 

Sie glühen auf in einer Purpurrose,

Und bergen sich verschämt in weichem Moose.

 

Und walle weit durch Flur und Land,

Das Zauberbild wirst Du nicht finden,

Kein Talisman vermag`s zu binden,

Und keine Sonne je es fand.

 

Es ist in ihrem Scheine nicht entsprossen,

Hat keine Erdennahrung je genossen.

 

Drum bleibt es ewig prangend stehn,

Ob schwingt die Zeit den raschen Flügel,

Apollo faßt der Rosse Zügel,

Und Welten stumm im Nichts vergehn.

 

In sich hat`s eine Kraft sich selbst erzeuget,

Die keine Welt, die selbst kein Gott ihm beuget.

 

Es ähnelt wohl dem dem Zytherklang,

Gespielt auf einer ew`gen Leier,

In stetem Glühen, steter Feier,

In hohem, sehnsuchtsvollem Drang.

 

O! horch die Saiten, die in dir erschallen,

Zu suchen wird dein Fuß nicht weiterwallen.

 

in: Marx-Engels-Gesamtausgabe, Bd. 1, S. 572f.

 

Gedichte

Wunsch.

Du sprichst mit vielen Lauten,

und Worte strömen hin,

Die selber sich verzehren,

Die rasch von dannen fliehn.

 

O! samm`le sie und schreibe

Auf wenig Pergament,

Und schick`sie mir hinüber,

Der sehnend danach brennt.

 

Ich will an`s Herz sie drücken,

Sie halten liebewarm,

Mein Zimmer damit schmücken,

Das sonst so todt, so arm.

 

Sie sollen Zauberkräftig

Mir still`n des Auges Wehn;

Es wird sogleich gesunden,

Um selber sie zu sehn.

 

in: Marx-Engels-Gesamtausgabe, Bd. 1, S. 552.

Gedichte

Vorwurf.

Durch meiner Lieder Reihen

Schwebst Du harmonisch hin,

Nicht brauch`ich sie zu weihen,

Von der sie zu mir ziehn.

 

Wie Sehnen und wie Bangen

Treibt`s mich in Bild und Wort,

Zu tragen mein Verlangen

An fernen Himmelsort.

 

Und Du, die mir bereitet,

Das rastlos süsse Wehn,

Die`s tief in`s Herz geleitet,

Willst Trost mir nicht ersehn.

 

in: Marx-Engels-Gesamtausgabe, Bd. 1, S. 551.

Gedichte

Abendstunde.

Die Lampe brennt so stille,

Und wirft mir milden Schein,

Sie scheint mit mir zu klagen,

Als kennt`sie meine Pein.

 

Sie sieht mich stets so einsam,

In meine Brust versenkt,

Wenn tiefe Gestgestalten

Die Phantasie erdenkt.

 

Sie scheinet selbst zu ahnen,

Daß ihr armflackernd Licht

Vor einer Gluth versinket,

Die aus dem Busen bricht.

 

Doch ach! die Gluth, sie ruhet,

Nicht in sich selber mehr,

Es sind nur schwache Strahlen

Aus Deiner Seele Meer.

 

in: Marx-Engels-Gesamtausgabe, Bd. 1, S. 537.

Gedichte

Die zwei Sterne.

Räthsel.

 

Es wohnen weit in Himmelsferne

Zwei goldumstrahlte, süsse Sterne,

 

Die ewig voneinanderfliehen,

Die ewig sich entgegenziehn.

 

Sie strecken aus die lichten Schwingen,

Damit sie einst zusammenklingen,

 

Und dennoch ziehen sie weg die Hand,

Sobald verknüpft erscheint ihr Band.

 

Kannst, Jenny, Du die Sterne nennen?

Doch will ich treulich dir bekennen,

 

Wir sind wohl nicht damit gemeint,

Denn stets bin ich mit dir geeint.

 

Hin! durch des Alles weite Massen,

Durch Elementenkampf und Hassen,

 

Strömt meine Liebe in Dein Herz,

Strömt hin mein Sehnen und mein Schmerz.

 

In: Marx-Engels-Gesamtausgabe, Bd. 1, S. 530.

Gedichte

Amulet.

Jahre fliehn und schwanken,

Endlos durch das All,

Neigen sich und wanken,

Nächtliche ew’ger Fall.

Ich erschauern sie lächelnd

von dem hohen Sitz,

ob sie wonnefächelnd,

Bahn, ob Sturm und Blitz.

Weil ich jetzt gefunden,

Einen Talisman,

Sind Kraft löscht Wunden,

Treibt mich kühn hinan.

Preisen ihn und nennen,

Hauchen im Gesang,

Allen Hohn entbrennen,

Liebe, Seelenklang,

Endlos tiefen Drang

Nähren ist ihn nennen.

 

In: Marx-Engels-Gesamtausgabe, Bd. 1, S. 527.

Gedichte

Der Gedanken.

An Jenny.

 

Jenny, laß die Sphären rollen,

Du bist Sonne mir und Aetherschein,

Laß mir Welten feindlich grollen,

Ich besiege sie, Jenny, bleibst du mein.

 

Grösser als der Spähren Räume,

Höher als des Himmels Aeterhaus,

Schöner als das Land der Träume,

Tiefer als des Meeres Schreck und Gunst;

 

Unermessen, unbeschränket,

Ein Gedanke, wie ihn Gott gedacht,

Wie sein Allherz stets ihn denket,

Ist durch Dich in meiner Brust erwacht.

 

Und du selbst bist der Gedanken,

Schönheit hauchet ihn das schwache Wort,

Kann die Allgluth nicht umranken,

Doch im Herzen brennt sie sicher fort.

 

In: Marx-Engels-Gesamtausgabe, Bd. 1, S487.