Allgemein

„Das ist nicht nur Geschichtsvergessenheit, das ist schon Manipulation.“

Ein Artikel aus der Leipziger Internet Zeitung, der sich mit der Diskussion um Karl Marx in Leipzig auseinandersetzt. Die CDU hatte dort im Oktober 2017 einen Änderungsantrag zum Konzept „Marx und Leipzig“ eingebracht, der „ausdrücklich auch die Folgen der von Marx begründeten Ideologie während der über 40jährigen SED-Diktatur berücksichtigt.
Begründet wurde dies unter anderem mit dem gegen „freiheitlich-demokratische Ideen gerichtete totalitäre ‚Kommunistische Manifest‘.“ Auch ein Artikel aus der „Neuen Rheinischen Zeitung“ wurde für die Begründung herangezogen.
Der Autor wendet sich gegen eine angebliche „Manipulation“ der Geschichte und die aus dem Zusammenhang gerissene Verwendung von Marx-Zitaten

Aktuelles, Allgemein, Kalender

Kalender

Karl Marx Jahr 2018 – Beteiligung der Universität Trier

Nähere Informationen zum jeweiligen Programmablauf erfolgen zeitnah.

April – Dezember 2018

Ringvorlesung „Marx gestern – heute – morgen“

08.03.2018

Lenchen Demuth – eine starke Frau aus St. Wendel. Lenchens Leben bei Familie Marx.

22.03.2018

Die Frauen-, die Juden- und die Klassenfrage – Leben und Werk von Eleanor Marx. Vortrag von Eva Weissweiler.

27.04.2018 – 28.04.2018

„Gespenster des Kommunismus – Utopie und Solidarität heute. Tischgespräche“

06.05.2018

Internationale Tagung. Was Deutschland und China verbindet – Von Marx bis Fußball

23.05.2018 – 25.05.2018

Internationales Symposium: Karl Marx 1818 – 2018. Konstellationen, Transformationen und Perspektiven

15.06.2018

Internationales Symposium 2018 – „Karl Marx and the American Dream“

20.07.2018

Tinte, Feder, Druckerpresse. Die Kinder-Uni zu Gast in der Marx-Ausstellung im Stadtmuseum.

11.09.2018

Podiumsdiskussion Raiffeisen und Marx und ihre Bedeutung für die Gesellschaft damals wie heute.

17.10.2018

„Arbeit 4.0 – Herausforderung und Chancen“

 

 

 

Allgemein

MEW oder MEGA?

Wer sich Marx im Original nähern will, der stößt zwangsläufig auf die beiden großen und populären (deutschsprachigen) Werkeditionen und steht möglicherweise irritiert vor ihren jeweiligen Abkürzungen. Einerseits den MEW (Marx-Engels-Werke) und der MEGA (Marx-Engels-Gesamtausgabe). Beide Editionen unterscheiden sich teilweise in Inhalt und Intention.

Beide Editionen haben ihre Wurzeln in der DDR. Die 43 Bände der MEW wurden 1956-1990 vom „Institut für Marxismus-Leninismus vom ZK der SED“ herausgegeben. Zudem fußen sie auf einer früheren sowjetischen Ausgabe, von denen die Auswahl der Texte sowie ggf. die Anmerkungen und Erläuterungen ebenfalls übernommen wurden: „Aufbau, Gliederung und  Kommentierung der deutschen Ausgabe fußen auf der zweiten russischen  Ausgabe der Werke von Karl Marx und Friedrich Engels, besorgt  vom Institut  für Marxismus-Leninismus beim Zentralkomitee der Kommunistischen Partei der Sowjetunion.“ [MEW 1, Vorwort, S.IX.]

Im Zweifelsfall bekam man also die Auslegung kritischer Punkte, sowie sonstige Anmerkungen, aus offizieller, sowjetisch marxistisch-leninistischer Perspektive. Dass es sich bei den MEW um eine einfach zugängliche Studienausgabe und keinesfalls um eine vollständige und historisch-kritische Gesamtausgabe handelte und dies auch gar nicht das Ziel sei, darauf wurde im zweiten Band hingewiesen: „Unsere Aufgabe sehen  wir darin,  gemäß dem Beschluß des Zentralkomitees der Sozialistischen  Einheitspartei Deutschlands  dafür Sorge  zu tragen, das  Lebenswerk der  Begründer des wissenschaftlichen Sozialismus in kürzester Frist  und in größtmöglicher Vollständigkeit dem  deutschen Volke  vorzulegen. Eine  historisch-kritische Gesamtausgabe bedarf  viel umfangreicherer  Vorarbeiten hinsichtlich der  Bearbeitung und Kommentierung des vorhandenen Materials und erfordert viel Zeit. Unsere Ausgabe  hält sich  in engeren Grenzen.“ [MEW 2, Vorwort, S.IX]
Die implizierte wortwörtliche Parteilichkeit der MEW wird an diesen Ausführungen ebenfalls deutlich.
Da die MEW sowjetische Ursprünge hatten, entging der Veröffentlichung alles, was russlandkritische Tendenzen hatte. Marx selbst hatte ein wenig schmeichelhaftes Bild Russlands, woraus er auch keinen Hehl machte – eher das Gegenteil. In einer Zeit, da die Deutungshoheit über Marx in den Händen der kommunistischen Parteifilialen der KPdSU lag, erschien die „Verunglimpfung“ Russlands durch Marx und Engels nicht opportun.
Was jedoch die Korrektheit der MEW bezüglich der letztendlich in ihnen edierten Texte selbst anbelangt, ist diese zuverlässig. Die Anmerkungen sollten jedoch nur kritisch gelesen werden.
Zitiert werden die MEW in der Regel denkbar einfach und ist in dieser Form auch oben erfolgt. Für ein Zitat (etwa „Ein Gespenst  geht um  in Europa […]“) aus dem „Kommunistischen Manifest“ genügt zum Beispiel: MEW 4, S. 460. Damit wissen wir zwar, wo es zu finden ist, aber falls es sich nicht gerade um ein bekanntes Zitat handelt, dass sich problemlos dem „Manifest“ zuordnen lässt, sind wir über den Zusammenhang und den Text, aus dem das Zitat ursprünglich stammt, immer noch nicht klüger. Dass sich alle großen weltgeschichtlichen Tatsachen, wie Hegel irgendwo bemerkt haben soll, stets zweimal ereignen und, wie Marx hinzufügte, das eine Mal als Tragödie, das andere Mal als Farce, finden wir durch die Angabe: MEW 8, S.115. Wenn man sich die kleine Mühe macht auch noch hinzuzufügen:  Karl Marx: Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte, in: MEW 8, S.111-207, S. 115, wissen wir auch noch genau über den Text  Bescheid und geraten nicht in die Verlegenheit einzugestehen „Marx bemerkt irgendwo“.

Was die MEW nicht leisten wollten, das holte seit 1975 die MEGA2 nach. In dieser historisch-kritischen Gesamtausgabe wurde und wird sämtliches überliefertes Schrifttum  publiziert, was in irgendeiner Form mit Marx und Engels in Zusammenhang stand, sämtliche Werke, Schriften, Briefe von und an sie, Notizen, Exzerpte etc., alles zudem sämtlich in der jeweiligen Originalsprache. Zudem wird die jeweilige Textentwicklung, wo möglich, dargestellt. Da bereits von 1927 bis 1940 in der Sowjetunion eine MEGAherausgegeben wurde, spricht man in der Regel von der MEGA ab 1975 auch von der MEGA2, um Verwechslungen zu vermeiden.
Die Bände setzen sich zusammen aus jeweils zwei separaten Bänden, einem mit den entsprechenden Texten und einem  dazugehörigen Anmerkungsapparat, sodass man für  eine gründliche Bearbeitung stets beide Teilbände braucht. Verwirrung kann auch aufkommen, da die MEGA sich aus 4 Abteilungen zusammensetzt (I. Werke, Artikel, Entwürfe II. Das Kapital und Vorarbeiten III. Briefwechsel IV. Exzerpte, Notizen, Marginalien) und innerhalb dieser Abteilungen die Bände stets wieder von „Band 1“ an durchnummeriert sind. Ebenso wird die Seitenzählung innerhalb zusammengehöriger Text– und Apparat-Bände übergreifend durchgeführt. Dabei können die Apparat-Bände umfangreicher sein als die Text-Bände, was wortwörtlich Bände spricht.
Eine Zitation aus der MEGA2 kann daher beispielsweise folgendermaßen aussehen:
Karl Marx: Bürgerkrieg in Frankreich (1871), in: MEGA² I. Abtlg., Bd. I/22, S. 183-223.
Der Apparat z.B. so: Karl Marx: Bürgerkrieg in Frankreich (1871), in: MEGA² I. Abtlg., Bd. II/22, S. 1023-1039.
Bis 1990 erschienen 36 Bände, die Arbeit an der MEGA wurde jedoch fortgeführt, seit 1990 wird sie von der politisch unabhängigen „Internationalen Marx-Engels-Stiftung (IMES)“ herausgegeben. Bisher erschienen sind 62 Bände, geplant sind 114 Bände.
Da die Bearbeitung bis 1990 in den Händen der politischen Organe der Sowjetunion und der DDR lag, war auch die MEGA2, trotz ihres kritischen Anspruches, keine entpolitisierte Edition. Die Kommentare ließen an der Richtigkeit, dem Weitblick und der Allgemeingültigkeit der Marxschen Thesen keinen Zweifel aufkommen. Unkritisch darf man die Kommentar-Bände also auch nicht lesen, vor allem, wenn eine Wertung Marx´ im Raum steht. Darüber, ob beispielsweise die Pariser Kommune von 1871 der erste Versuch der Arbeiterklasse zur Errichtung ihrer politischen Herrschaft war [Karl Marx: The Civil War in France (First Draft. Second Draft and Adress of the General Council (1871), in: MEGA² I. Abtlg., Bd. II/22, S. 789-1001, S.789], ließe sich diskutieren, für die MEGAbestand daran kein Zweifel. Seitdem die Bearbeitung in den Händen der IMES liegt, ist eine Entpolitisierung erfolgt, besonders die Kommentierung betreffend: „Die Textdarbietung ist verbunden mit einer intensiven wissenschaftlichen Kommentierung. Diese beginnt mit einer Einführung, in der das Textmaterial vorgestellt und wissenschaftsgeschichtlich kontextualisiert wird. Im Anschluss daran wird die Entstehungs- und Überlieferungsgeschichte jedes Werkes dargestellt. […]Die Erläuterungen bringen die vom wissenschaftlichen Nutzer benötigten Sachhinweise, werkimmanente Verweise und Quellenbelege. Ein umfangreicher Registerapparat beschließt jeden Band.“ [berlin-brandenburgische Akademie der Wissenschaften, http://mega.bbaw.de/projektbeschreibung]

Für die wissenschaftliche und belastbare Nutzung ist also die MEGA2 nachdrücklich zu empfehlen. Die MEW sind jedoch auch populär, verbreitet, anerkannt und  mit den oben angeführten Einschränkungen brauchbar, um schnell an die wichtigsten (?) Texte zu gelangen. Um Einsicht in die Schriften und Werke von Marx und Engels zu bekommen, sind also beide nutzbar. Die MEGA2 ist vollständiger, im Zweifelsfall, aber unbedingt seit 1990, kritischer und dem aktuellen Stand der Forschung näher. In der Regel sind die MEW über das Internet leichter zugänglich und vollständig online, sodass die online zu findenden edierten Texte meistens ihnen entnommen sind.

Nachstehend eine kleine Auswahl, teils tendenziöser, Internetadressen, welche die MEW und die MEGA2 online zugänglich machen.

Wir fühlen uns bemüßigt festzuhalten, dass die Inhalte und Meinungen etc. externer Links grundsätzlich nicht notwendigerweise der Meinung des Blogs entsprechen und distanzieren uns vorsorglich von jeglichem Vorwurf der Propagierung und Verbreitung tendenziöser politischer Inhalte. Zudem sei noch darauf hingewiesen, dass natürlich auch bei der Nutzung von Texteditionen aus dem Internet ein Blick in das Impressum und ähnliches nicht schaden kann, um, nicht anders als im Falle von MEW oder MEGA, über die Intention von denjenigen Aufschluss zu erhalten, die einem Karl Marx aus welchem Grunde auch immer näher bringen und zugänglich machen wollen.

MEW:

https://marx-wirklich-studieren.net/category/hauptschriften/

http://www.mlwerke.de/index.shtml

https://www.kritiknetz.de/marx-engels-werke/1336-marx-engels-werke-baende-1-43

http://www.dearchiv.de/index.php

MEGA2:

http://telota.bbaw.de/mega/#