Zitate

Marx, die Deutschen und die Freiheit (I.)

Das offenbar zwiespältige Verhältnis der Deutschen zur politischen Entwicklung und zur Freiheit, hat Marx öfter beschäfigt.


„Alle diese Versuche erinnern an jenen Turnlehrer, der als die beste Methode des Springunterrichts vorschlug, den Schüler an eine große Grube zu bringen und ihm nun durch einzelne Zwirnfäden anzuzeigen, wie weit er über die Grube springen dürfe.
Versteht sich, der Schüler sollte sich erst im Springen üben und durfte den ersten Tag nicht über die ganze Grube wegsetzen, aber von Zeit zu Zeit sollte der Zwirnfaden weitergerückt werden. Leider fiel der Schüler bei der ersten Lektion in die Grube, und bisher ist er in der Grube liegengeblieben. Der Lehrer war ein Deutscher, und der Schüler nannte sich: „Freiheit“.“


Karl Marx: Die Verhandlungen des 6. rheinischen Landtags. Debatten über Preßfreiheit und Publikationen der Landständischen Verhandlungen, in: MEW 1 (1839-1844), S.74/75.

Allgemein

„Das ist nicht nur Geschichtsvergessenheit, das ist schon Manipulation.“

Ein Artikel aus der Leipziger Internet Zeitung, der sich mit der Diskussion um Karl Marx in Leipzig auseinandersetzt. Die CDU hatte dort im Oktober 2017 einen Änderungsantrag zum Konzept „Marx und Leipzig“ eingebracht, der „ausdrücklich auch die Folgen der von Marx begründeten Ideologie während der über 40jährigen SED-Diktatur berücksichtigt.
Begründet wurde dies unter anderem mit dem gegen „freiheitlich-demokratische Ideen gerichtete totalitäre ‚Kommunistische Manifest‘.“ Auch ein Artikel aus der „Neuen Rheinischen Zeitung“ wurde für die Begründung herangezogen.
Der Autor wendet sich gegen eine angebliche „Manipulation“ der Geschichte und die aus dem Zusammenhang gerissene Verwendung von Marx-Zitaten

Zitate

„Meine Wirtin ist very poor“

Marx klagt Engels sein Leid über den Ärger mit seiner Wirtin und über die Ergebnisse einer Sitzung.


„London 6. Januar 1851

Lieber Engels!

Du wirst  mich sehr verpflichten, s’il est possible, das Geld umgehend zu  schicken. Meine  Wirtin ist  very poor; sie ist jetzt die 2te Woche nicht bezahlt und tritt mit schrecklicher Energie.
Gestern in  der Kreissitzung [Londoner Kreis des „Bundes der Kommunisten] erschien Wolff [Ferdinand Wolff, Journalist, Mitglied des „Bundes der Kommunisten“ und ehemaliger Redakteur der „Neuen Rheinischen Zeitung“]; nicht aber Liebknecht [Deutscher Demokrat, Vater von Karl Liebknecht] und Schramm [Conrad Schramm, Journalist]. Die neuen Statuten angenommen, habe die Scheiße aufs unbestimmte vertagt.

Dein K. M.

Unsre „Revue“ [Die Monatszeitschrift „Neue Rheinische Zeitung. Politische Revue“ war als Nachfolgeorgan der 1849 verbotenen „NRZ“ gedacht, es erschienen 1850 sechs Hefte in Hamburg] wird wahrscheinlich in der Schweiz neu erscheinen.
Arbeite also  something,  damit ich das Manuskript im Notfall ready  habe.“


Brief Marx an Engels vom 6. Januar 1851, in: MEW 27 (Briefe Januar 1842 bis Dezember 1851), S.156.

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„Ich bin wahrhaft überrascht, daß Du noch kein Geld von mir erhalten hast“ – oder: Die Schwierigkeiten des Geldtransfers

Marx schreibt aus Köln an den im September 1848 vor drohender Verhaftung in die Schweiz geflohenen Engels über seine/ihre Geldsorgen. Es ist die Zeit der „Neuen Rheinischen Zeitung“ und Engels versorgt die Zeitung, um dessen Erhalt Marx finanziell und politisch kämpfen muss, auch noch aus der Schweiz mit Beiträgen.


Köln, November 1848

„Ich bin wahrhaft überrascht, daß Du noch kein Geld von mir erhalten hast.   Ich  (nicht die Expedition) habe Dir seit undenklicher Zeit  61 Taler,  11 in  Papier, 50 in Wechsel, nach Genf geschickt, eingeschlagen  in die  angegebne Adresse. Also erkundige Dich und schreib sogleich. Ich habe einen Postzettel und kann das Geld reklamieren.
Ich hatte ferner an Gigot [Philippe Gigot, Sekretär des 1846 gegründeten „Kommunistischen Korrespondenz-Komitee“] 20  und später an Dronke [Schriftsteller Ernst Dronke] 50 Taler für Euch geschickt,  immer aus  meiner Kasse. Summa – 130 Taler ungefähr. Ich werde Dir morgen wieder einiges schicken. Aber erkundige Dich nach dem  Geld. Es  war in  dem Wechsel  zugleich eine Empfehlung Deiner an einen Lausanner Geldphilister. Ich bin mit dem Geld beschränkt.  1850 Taler  hatte ich von der Reise mitgebracht;  1850 bekam  ich  von  den  Polen. 100 brauchte ich  noch auf der Reise. 1000 Taler habe ich der Zeitung [Die „Neue Rheinische Zeitung“] (mit  dem Dir  und andern Flüchtlingen) vorgeschossen. 500 in dieser Woche noch zu zahlen für die Maschine. Bleibt 350. Und da bei habe ich noch keinen Cent von der Zeitung erhalten.
Was Eure  Redakteurschaft angeht,  so habe  ich 1. in der ersten Nummer gleich  angezeigt, daß das Komitee dasselbe bleibt, 2. den blödsinnigen reaktionären  Aktionären erklärt, daß es ihnen frei stünde, Euch als nicht mehr zum Redaktionspersonal gehörig zu betrachten, daß  es mir aber freistehe, so hohe  Honorare  auszuzahlen,  als  ich  will,  und daß sie daher pekuniär nichts gewinnen werden. Die große  Summe für die Zeitung hätte ich rationellerweise nicht vorgeschossen, da ich 3-4 Preßprozesse auf dem Halse haben jeden Tag  eingesperrt werden  und dann  nach Geld wie der Hirschnach frischem Wasser schreien kann. Aber es galt, unter allen Umständen dies Fort zu behaupten und die politische Stellung nicht aufzugeben.
Das beste – nachdem Du die Geldangelegenheiten in Lausanne geordnet – ist, nach Bern zu gehn und Deinen angegebnen Plan auszuführen. Du  kannst außerdem schreiben, wofür Du willst. Deine Briefe kommen immer zeitig genug. Daß ich  einen Augenblick  Dich im Stich hätte lassen können, ist reine Phantasie.  Du verbleibst  stets mein Intimus, wie ich hoffentlich der Deine.

Marx

Dein Alter  ist ein  Schweinhund, dem wir einen hundsgroben Briefschreiben werden.“


Brief Marx an Engels, in: MEW 27 (Briefe Februar 1842 bis Dezember 1815), S. 129-130.

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Wie man dem Alten das Geld auspresst

Marx konnte bekanntlich schlecht mit Geld umgehen. Aber im Zweifelsfalle hatte er durchaus Ideen, wie er an welches kommen könnte.


„Ich  habe   einen  sichern  Plan  entworfen,  Deinem  Alten  Geld auszupressen, da  wir jetzt  keins haben. Schreib einen Geldbrief (möglichst kraß  an mich),  worin Du  Deine bisherigen  Fata  erzählst, aber  so, daß  ich ihn  Deiner Mutter mitteilen kann. Der Alte fängt an, Furcht zu bekommen.“


Brief Marx an Engels vom 29. November 1848, in: MEW 27 (Briefe Februar 1842 bis Dezember 1851), S.131.

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Föxchens Tod

Marx berichtet seinem Freund Engels vom Tode seines vierten Kindes.


„London 19. Nov. 1850

Lieber Engels!

Ich schreibe  Dir nur  zwei Zeilen.  Heute morgen um zehn Uhr ist unser kleiner Pulververschwörer Föxchen [Marx´ Sohn Heinrich Edward Guy, 1849-1850] gestorben. Plötzlich, durch  einen der  Krämpfe, die  er oft  gehabt  hatte. Einige Minuten vorher lachte und schäkerte er noch. Die Sache kam ganz unverhofft.  Du kannst  Dir denken,  wie es  hier  aussieht. Durch Deine  Abwesenheit sind  wir grade  in diesem  Moment  sehr vereinsamt. In meinem  nächsten Briefe  werde ich  Dir  einiges  über  Harney [George Julian Harney, Mitglied im „Bund der Kommunisten“ und der Chartisten-Bewegung, später der IAA] schreiben, woraus  Du sehn wirst, in welcher fatalen Lage er sich befindet.

Dein K. Marx

Wenn Du  grade in  der Stimmung  bist, schreib  einige Zeilen  an meine Frau. Sie ist ganz außer sich.“


Brief Marx an Engels vom 19. November 1850, in: MEW 27 (Briefe Februar 1842 bis Dezember 1851),  S.143.